Kapitel 1 - Kostenlose Leseprobe

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Nullbyte fluchte ausgiebig, während seine Finger über das Holokeyboard flogen. Draußen vor dem Fenster seines Apartments in District 4 von Neo York sank langsam die Sonne hinter die hohen Türme. Die Glasgiganten spiegelten die grellen Neonlinien der Straßen. Selbstfahrende Wägen brummten leise. Doch nach hier oben, in den 66. Stock, drangen die Geräusche nicht. Lediglich das das Klopfen seiner Finger auf der in die Luft projizierten Tastatur durchbrach die Stille.

Die digitalen Verteidigungen von ASTRA Tech zischten um ihn herum wie giftige Schlangen. Nullbyte biss die Zähne zusammen. Er würde nicht aufgeben. Sein Herz raste, Codezeilen flogen wie Blitze über den Holobildschirm.

Ein greller Alarmton kündigte einen Breach an.

„Verdammt – die Protokolle schreiben sich selbst um!“ Er hämmerte auf die Konsole, während die Firewall sich erneut aufbaute.

Der Hacker biss sich auf die Unterlippe. Es wurde immer schwieriger, sich in ASTRAs Netzwerk zu schleichen. Aber Nullbyte musste es schaffen. Menschenleben hingen davon ab, dass er die Daten sicherte, die der große Konzern scheffelte und dann wie Müll wieder ausspie. Falls er sie wieder ausspie.

Schließlich ertönte ein leises Ping. Der Bildschirm flackerte grün. Nullbyte atmete aus und streckte den Arm darauf zu. Am Handgelenk blinkte seine Syncframe, hochmodern, mit ein paar illegalen Programmen. Neonblaue Linien zuckten über das Armband und warfen geisterhafte Reflexe auf seine Brillengläser. Das runde Display des Smartwatch-ähnlichen Geräts erwachte zum Leben.

„Slythe, bist du soweit?“

Über der Syncframe auf seinem Handgelenk schwebte mit einem Mal ein etwa handtellergroßes, fuchsartiges Wesen. Unter dem rostroten Pelz glühten goldene Codeadern. Die spitzen Ohren waren auf den Holobildschirm gerichtet. Die Pixelaugen funkelten scharf, und das Maul formte ein spöttisches Grinsen.

„Geben wir’s ihnen“, knurrte sie. Virtuelle Muskeln spannten sich an, als sie mit einem Satz auf die durchbrochene Firewall zu sprang. Funken und Pixelfragmente wirbelten auf.

„Denk dran – “, setzte Nullbyte an, aber da war Slythe bereits in der Luft. Die Syncframe meldete: Datenübertragung aktiv – Geschwindigkeit 87 %.

„Jaja“, murrte sie, während sie durch den Firewall-Code glitt. Ihre Pixelaugen funkelten. „Ich suche nur nach Informationen. Keine unnötigen Risiken.“

„Und keine VIREALs provozieren, falls welche auftauchen.“

„Könntest ja selber kommen“, murrte Slythe und schnippte mit dem Schwanz. „Oder Fracture schicken.“

„Slythe – “

„Jaaa, ich weiß. Zu riskant. Besonders, wenn man bedenkt, was sie deiner Mutter angetan haben…“

Slythe durchbrach die Firewall und rannte los, glitt durch Pixel und Licht. Nullbyte folgte ihrem Weg auf dem Holobildschirm, rieb sich erschöpft die Augen und putzte die Brille. Angst und Verzweiflung zogen sich wie kaltes Metall durch seine Brust. Er durfte niemanden mehr verlieren.

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